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10 bekannte Deutsche Graffitikünstler, die man kennen sollte.

Längst hat Graffiti auch seinen Weg in die Galerien dieser Welt gefunden und genießt dadurch immer mehr Aufmerksamkeit und Ansehen. Wenn man sich für Graffiti interessiert und sich auch mit der Geschichte etwas vertraut machen möchte, dann gibt es einige Namen aus der Szene, die man kennen sollte. Die meisten von Ihnen bilden das Fundament der deutschen Graffiti Geschichte und sind heutzutage als legale Künstler tätig, aber auch solche, aus jüngerer Zeit und einige aus dem illegalen Bereich sind dabei. Hier eine kurze Übersicht einiger der wichtigsten Namen in der deutschen Graffiti-Szene. Natürlich gibt es noch weit mehr Künstler, die auch gleichermaßen bedeutend sind wie die hier genannten.

 

1. LOOMIT

Bürgerlich Mathias Köhler, 1968 in Celle geboren, lebt und arbeitet in München. Ein Urgestein der deutschen Graffiti-Szene. War 1985 an der (illegalen) Gestaltung des ersten deutschen Whole Car beteiligt, welcher als der „Geltendorfer Zug“ in die Geschichte des Graffiti einging. (Whole Car ist Ein Zugwagon, der einseitig, aber in der gesamten Länge und Höhe mit Graffiti besprüht wird.) Loomit ist bekannt für seine 3D Styles, die er in lebhafte Landschaften einfügt. Auch cartoonartige und teilweise abstrakte Figuren bilden oft Teile seiner Werke, den Mittelpunkt bildet jedoch meistens ein im dreidimensionalen Raum verformter „Loomit“-Style.
Zu seinen bekanntesten Werken zählen: „Zeichen der Zeit“, Dezember 95 in Hamburg Bergedorf, zusammen mit Künstlern wie DAIM, Darco  und anderen. Hierfür bekamen die Künstler einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde für das damals höchste Graffito der Welt (rund 30 m hoch).
Als Teil des Projektes Mural Global realisierte Loomit zusammen mit einigen brasilianischen und deutschen Graffiti-Künstlern ein 300m² großes Bild in São Paolo. Zu den beteiligten Künstlern zählten unter anderem Os Gêmeos, DAIM und Tasek.
2002 wurde er mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet.
2003 produzierten der Bayerische Rundfunk und Arte einen Dokumentarfilm über ihn mit dem Titel „Loomit-Der Sprayer“.

 

2.DAIM

Mirko Reisser, 1971 in Lüneburg geboren, lebt und arbeitet in Hamburg. DAIM ist das klassische Beispiel für 3D Graffiti Style Writing in Reinform. Wenn ich an 3D Styles denke, dann denke ich an DAIM. Seine Styles sind bis ins letzte Detail feinst säuberlich ausgearbeitet. Sie verzerren sich oft stachelartig in den Raum und scheinen den Betrachter hineinzuziehen oder sich auf ihn zuzubewegen. Er bedient sich häufig klassischen Graffiti Elementen wie Pfeilen oder Sternen und kombiniert seine sauberen Styles gekonnt mit wilden Farbspritzern, was den Anschein einer explosiven Ausdehnung des Styles erweckt. DAIM ist Mitbegründer der Ateliergemeinschaft getting-up in Hamburg, mit der er schon mehrere bedeutende Projekte realisiert hat. Dazu gehören unter anderem die Graffiti und Street Art Ausstellung Urban Disciplin, welche 2000, 2001 und 2002 in Hamburg mit Künstlern aus aller Welt stattfand, sowie das Werk Dock-Art, ein Wandbild über 600m², das sich mit Hamburg, seinen Partnerstädten und der weltweiten Vernetzung auseinandersetzt. Eine vergrößerte Kopie dieses Werkes hing als 2000m² großes Transparent lange Zeit im Hamburger Hafen am Dock von Blohm & Voss.

 

3.TASSO

Herbert Jens Müller, 1966 in Meerane geboren, wo er immer noch lebt. TASSO ist einer der ersten und besten Fotorealisten mit der Sprühdose. Als Teil des Künstlerkollektivs Ma’Claim und dem Buch „Ma’Claim: Finest photorealistic Graffiti“ half er den Fotorealismus als Teil des Graffiti in Deutschland und der Welt bekannt zu machen. (Durch dieses Buch bin ich übrigens selbst zum fotorealistischen Sprühen bekommen.) Seine Bilder fallen teilweise in die Kategorie Illusionsmalerei. Sie wirken so täuschend echt wie gedruckt, gekonnt kombiniert er abstrakte Formen mit fotorealistischen Figuren oder Landschaften. 2016 erschien sein Buch „Am Ende fehlt doch immer was“ in limitierter Auflage.

 

4.MOSES (&TAPS)

Sein bürgerlicher Name ist der Öffentlichkeit unbekannt, denn der unter dem Pseudonym MOSES aktive Graffiti-Künstler machte sich ausschließlich durch illegales Sprühen einen Namen. Die Polizei hingegen kennt seine Identität, nur nachweisen können sie ihm meistens nichts. Für sein Schaffen wurde er bereits mehrmals angeklagt und auch schon verurteilt. Er kommt wohl aus Hannover, wo er auch am aktivsten war, aber auch in Hamburg hat er schon unzählige Werke geschaffen. MOSES ist einer der bekanntesten Sprayer Europas, seine Bilder finden sich über das gesamte Bundesgebiet und sogar Europaweit verteilt, wobei sich viele von ihnen weiter fortbewegen. Denn wenn der Künstler (oder je nach Ansicht auch Vandale) eines gut kann, dann ist es Züge besprühen. Meist arbeitet er zusammen mit seinem Kollegen TAPS wie es auch in dem Buch „MOSES&TAPS – International Topsprayer“ dokumentiert ist. Hier zeigen die beiden Sprayer mit nie dagewesener Dreistigkeit und genau so viel Genie wie Humor, was sie unter Train Bombing verstehen. In einigen Videos dokumentieren sie, wie sie am hellichten Tag Züge besprühen. Dabei zeigen sie in ihren Werken enorm viel Einfallsreichtum. Zu größerer Bekanntheit brachten es MOSES und TAPS auch außerhalb der Writer-Szene als sie im April 2015 durch das zumauern einer Tür eines Wagons der Hamburger S-Bahn bundesweit Schlagzeilen machten. Auch MOSES‘ und TAPS‘ Werke findet man mitunter auf internationalen Ausstellungen. Durch den konstanten Gebrauch zweier bestimmter Farbtöne (Gelb und Blau) haben sie sich in den letzten Jahren sogar so etwas wie eine Corporate Identity geschaffen. Von Montana Black gab es eine Zeit lang diese speziellen Farbtöne unter den Namen MOSES und TAPS. Inzwischen setzen sie hinter ihre Tags oft ein TM wie es bei Markennamen üblich ist.

 

5.HERAKUT

Ist zwar ein Künstlerduo, lässt sich aber kaum noch trennen. Bestehend aus Jasmin Siddiqui (HERA) 1981 in Frankfurt geboren und Falk Lehmann (AKUT) 1977 in Schmalkalden geboren. Machen weltweite Projekte mit hohem Wiedererkennungswert. Ihre Bilder haben häufig einen sozialkritischen und politischen Aspekt. Ihre comicartigen Figuren mit den zu großen Augen, dem Pinselstrichstil und dem gewollten dreckigen Gossen-Look erinnern mich immer etwas an die Filme von Tim Burton. Auch Schrift findet man sehr häufig in ihren Darstellungen. Die Werke von HERAKUT findet man inzwischen auf der ganzen Welt verstreut. So verschönerten Sie zusammen mit syrischen Flüchtlingskindern in der jordanischen Wüste die Wände eines riesigen Flüchtlingslagers. Für ein Kinderbuchprojekt malten Sie ihre Bilder auf Mauern und Fassaden von Toronto bis Katmandu und auch das Haus von Jim Carrey ziert bereits ein Werk von Ihnen. AKUT ist außerdem Teil der vierköpfigen Ma’Claim Crew.

 

6.Cantwo /Can2

Fedor Wildhardt 1970 in Mainz geboren. Kam 1983 mit Graffiti in Kontakt und gehört somit zum Urgestein der deutschen Graffiti Szene. CANTWO ist international bekannt und geschätzt. Sein Stil ist absolut klassischer Old School, den er gekonnt wie kaum ein anderer perfekt in Szene setzt. Seine Styles werden fast ausnahmslos von seinen sehr typischen Character begleitet. Sowohl seine Styles als auch die Character haben einen hohen Wiedererkennungswert. Es wird wohl kaum jemanden in der Szene geben, der noch nie einen der markanten Figuren oder den klassischen Style von CANTWO gesehen hat. CANTWO ist Mitbegründer der Stick Up Kidz Crew. Er hat für diverse internationale Firmen gearbeitet wie Adidas oder CocaCola und schon Ende der 1990er an der Entwicklung neuer Farbtöne für Sprühdosen und sogar einer eigenen Sprühdosenlinie (Oxygen Colors) (mit-)gearbeitet. CANTWO ist in mehreren Klamotten-Labels involviert, wurde mehrfach von den Lesern der Juice zum besten Sprayer weltweit gewählt und saß schon in diversen Jurys bei Graffiti-Wettbewerben.

 

7.CASE (-MACLAIM)

Andreas von Chrzanowski, 1979 in Schmalkalden geboren. Lebt und arbeitet in Frankfurt und ist Mitbegründer der Ma’Claim Crew. CASE ist bekannt für die Mischung äußerst fotorealistischer mit abstrakten Elementen. In seinen Werken beschäftigt er sich überwiegend mit Händen. Viele von CASEs Bildern zeigen die farbliche Überlagerung verschiedener Posen. Genau wie sein Kollege TASSO malt auch CASE beinahe wie gedruckt. Seine Handbilder stechen oft durch die knalligen Farben ins Auge. Im Sommer 2016 Gestaltete er zusammen mit seiner Frau und weiteren Künstlern eine U-Bahn-Station in Frankfurt mit einem Bild auf 6600 Quadratmetern. Dargestellt wurden laufende Hände.

 

8.OZ

OZ alias Walter Fischer ist eine Hamburger Sprüherlegende. 1950 in Heidelberg geboren und im katholischen Heim aufgewachsen zog er später nach Hamburg wo er über drei Jahrzehnte hinweg sprühte. Am 25.September 2014 wurde er beim Taggen vom Zug erfasst und verstarb vor Ort an den Folgen. Es dürfte wohl keinen Hamburger geben, der noch nie eines seiner Werke gesehen hat, denn diese findet man im gesamten Stadtgebiet in Form von Smileys, Spiralen und natürlich den bekannten OZ Tags. Aber auch großflächige bunte Bilder hat er gesprüht. Diese sind stets abstrakt und meist von Punkten und Linien durchzogen. OZ war kein gewöhnlicher Writer, sondern vielmehr ein Aktivist. Er wollte seine Umwelt bunter machen und tat dies auch unaufhaltsam. Trotz zahlreicher Verhaftungen und sogar Freiheitsstrafen hörte er nie auf zu Taggen. Die Hamburger Polizei gibt an 120.000 Tags von OZ gezählt zu haben. Es ist die schiere Masse an Tags, die sein Werk so besonders macht. Die Partei die Grünen forderte sogar seine Bilder unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Er kämpfte stets für seine Kunstfreiheit, dieser Kampf ist sein Lebenswerk. Zu seiner Beisetzung im bunt bemalten Sarg kamen über 300 Leute.

 

9.DARCO

Darco Gellert ist 1968 in Bielefeld geboren, lebt und arbeitet heute aber in Paris. Er ist ein klassischer Style-Writer, der seinen Style allerdings sehr weit entwickelt hat. Er ist auf internationalen Ausstellungen präsent. Seine Buchstaben sind sehr dynamisch und verkörpern das klassische Graffiti in perfektionierter Form. In seinen Bildern, auch wenn sie in Galerien zu finden sind, hat er den ursprünglichen Charakter des Straßengraffiti bewahrt. Viele seiner professionellen Arbeiten wirken durch ihre Wildheit teilweise wie illegale Pieces. Er bringt kantige Wildstyles locker aus dem Handgelenk. Seine Styles sind eine Mischung aus 3D und normalem Style mit Outline. Er war an dem Weltrekord-Bild „Zeichen der Zeit“ mit DAIM und LOOMIT beteiligt und auch auf den Urban Disciplin Ausstellungen vertreten. Als erster Sprayer, der in Frankreich für Vandalismus verurteilt wurde, ist er ein fester Bestandteil der Geschichte des Graffiti. Oktober 2016 widmete die hamburger OZM Galerie ihm ihre letzte Ausstellung, bevor das Gebäude abgerissen wurde. Seine Leinwände auf dieser Ausstellung waren sämtliche Wände, Decken und Böden des Gebäudes.

 

10.MadC

Claudia Walde aus Bautzen, geboren 1980, zählt nicht nur zu den bekanntesten Frauen der Szene sondern sogar zu den bekanntesten Graffitikünstlern weltweit. MadC´s Bilder zeichnen sich meist durch lebendig bunte Farben auf weißem Grund aus. In ihren Leinwandarbeiten mischt sie Sprühfarbe mit Acryl und Aquarell. Die so erzeugten Effekte ahmt sie in ihren großen Wandbildern mit Sprühdose und Rolle nach. Ihre Graffiti wirken daher oft wie mit Pinsel und Aquarell gemalt, eben wie ein vergrößertes Foto einer Leinwand. Sie überlagert Farben und erzeugt dadurch den Anschein von Transparenz. Dies schafft sie auch durch den Gebrauch von tatsächlich transparenten Sprühfarben.  Ihre Werke sind international gefragt und in diversen Ländern zu finden. Als Autorin hat Claudia Walde bereits mehrere Bücher zu den Themen Graffiti und Street Art veröffentlicht.  Die Recherchen, welche sie für diese Bücher machte, haben wohl nicht wenig zu ihrer Entwicklung als Künstlerin beigetragen.

 

Und Wer fehlt?

Das war meine erste Liste von 10 (eigentlich 12) deutschen Graffitikünstlern, die man kennen sollte. Ich hoffe sie hat dir gefallen und du konntest etwas lernen. Ich weiß, es gibt noch viel mehr wichtige Namen in der deutschen Graffiti Szene, aber die kommen dann in einer weiteren Liste. Wer sollte deiner Meinung nach noch unbedingt in diese Liste aufgenommen werden?

Graffitiauftrag Hamburg Altona Graffitikünstler

Graffitiauftrag Hamburg Altona Yoga Studio

Für mich als Graffiti Sprayer das erste Mal, dass ich ein so genanntes Roof Top gemalt habe. Während diese Bilder aber üblicherweise illegal angebracht werden, konnte ich dieses Piece vollkommen legal und sogar gegen Bezahlung malen. So stand ich also am helllichten Tag auf dem Dach der Kneipe MayDay mitten in Hamburg Altona, fast gegenüber der Fabrik, und habe ein Bild gesprüht, das einem schon aus großer Entfernung ins Auge sticht. Die Polizei ist mehrfach vorbeigefahren, aber ich habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen 😉 … Obwohl ich muss zugeben, dass ich mir am Anfang schon etwas Sorgen gemacht habe. In der Vergangenheit ist es mir nämlich schon mehrmals passiert, dass die Polizei bei einem Graffitiauftrag angetanzt ist und meinte ich sei ein Vanadale. Darum habe ich mir am Anfang besonders Mühe gegeben professionell zu wirken, habe die Kanten abgeklebt obwohl das bei diesem Bild eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Gerade wenn man die ersten Striche zieht und die ersten Flächen schnell ausfüllt ist es schwer zu beurteilen, ob es ein professioneller Auftrag oder ein illegales Graffiti ist.
Graffitiauftrag inmir Yoga Hamburg Altona von strasseGraffitiauftrag inmir Yoga Hamburg Altona

Stromkasten-Graffitiauftrag in Rellingen

Mein erster Stromkasten wurde durch die Firma Ring Kältetechnik gesponsert.  Privatleute wollten den hässlichen grauen Kasten in ihrer Straße verschönern lassen und haben für meine Arbeit einen Sponsor gesucht. Ein lebensechtes Rotkehlchen verschönert nun diesen Kasten.

Graffiti lernen für Anfänger 4: Die Buchstaben – Style Writing

In diesem Artikel lernst du die Grundlagen zum Zeichnen von Graffiti-Buchstaben. Ich gebe dir  einen Einstieg ins Thema und wichtige Tipps damit du sofort loslegen kannst und weißt worauf es dabei ankommt.

Obwohl ich selbst von Anfang an eher Charakter-Maler als Style-Writer war und heute hauptsächlich den Fotorealismus ausübe, ist das Style-Writing auch für mich eine Pflichtdisziplin.  Style Writing ist aus dem modernen Graffiti nicht mehr wegzudenken und auch bei unserer Arbeit als Graffitikünstler kommt es immer wieder vor, dass ein Kunde einen Style haben möchte.
In diesem Artikel geht es um die richtige Form der Buchstaben und wie man zu einem guten Style kommt.

Um einen guten Style entwerfen zu können, sollte man die Logik dahinter kennen und verstanden haben. Wenn man das geschafft hat, dann ist schon eine große Hürde überstanden.
Das wichtigste ist aber auch beim Graffiti das Üben, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und auch du wirst nicht besser werden, wenn du nicht viel übst. Also am besten jeden Tag ein bisschen sketchen (zeichnen).

Der Ursprung des Style-Writing

Die Basis des Graffiti-Styles liegt eigentlich in der Kalligraphie, der Kunst des Schönschreibens. Auch wenn sich das Graffiti nicht direkt daraus entwickelt hat und die ersten Graffiti-Styles nicht viel mit Schönschreiben zu tun hatten, kann man doch sagen, dass das Graffiti so eine Art Mutation der Kalligraphie darstellt.
Wenn man also versteht wie die Kalligraphie funktioniert, dann versteht man auch die Logik hinter den stylischen Buchstaben aus dem Graffiti. Heutzutage gibt es sogar eine neue Disziplin, das sogenannte Calligrattiti, die Kombination aus Kalligraphie und Graffiti Tags.

Bei der Kalligraphie schreibt man häufig mit einer breiten Feder, mit der man breite Striche in Schreibrichtung und und feine Linien in 90° zur Schreibrichtung ziehen kann. So kann man die Buchstaben aus breiten Balken und dünnen Strichen aufbauen. Zieht man mit der Kalligraphiefeder eine Kurve, ohne die Feder dabei zu drehen, so bekommt man einen Bogen, der in seiner Breite kontinuierlich ab- oder zunimmt, je nachdem in welche Richtung man ihn zeichnet.

Bedingt durch die Form der Feder folgen die Buchstaben, welche man mit einer solchen Feder zeichnet, also gewissen Gesetzmäßigkeiten. Die Balken haben eine bestimmte Dicke, die Kanten sind parallel zueinander und die Breite des Striches ist abhängig von seiner Richtung.

Wenn du diese Gesetzmäßigkeiten im Hinterkopf behältst, während du deinen Style kreierst, ist das schon mal ein großer Schritt. Denn erst wer die Regeln kennt, kann sich über sie hinwegsetzen. Wenn du ein wirklich guter Writer werden willst, dann kann ich dir nur empfehlen nebenher auch viel Kalligraphie zu üben.

Um noch mal zu verdeutlichen, was ich über die Kalligraphie behaupte habe ich in Abbildung 2 die Evolution eines E‘s tatsächlich mit einer Feder gezeichnet.

Evolution Graffiti Buchstabe E
Abbildung 2

 

Schritt für Schritt zu deinem Graffiti

Da du jetzt den Ursprung kennst machst du im nächsten Schritt aus einem gewöhnlichen Buchstaben einen im Graffiti-Stil, indem du lernst ihn Stück für Stück weiterzuentwickeln. Zuerst zeichnest du einen ganz gewöhnlichen Druckbuchstaben, so wie er in jedem Buch zu finden ist. Was allerdings bei einem Druckbuchstaben eine Linie ist, zeichnest du als Balken. Für jede Linie wird ein durchlaufender Balken mit vier Seiten gezeichnet.

Wie du in Abbildung 3 Figur 2 siehst besteht jeder Buchstabe aus einzelnen Balken (oder auch Blöcken), wie hier durch das E verdeutlicht. Für die Qualität deines Styles ist es wichtig, dass du jeden Balken einzeln zeichnest und dabei alle Linien voll bis zum Ende durchziehst, wie man hier gut in Figur 2 und 3 erkennen kann. Überflüssige Linien werden später ausradiert oder übermalt.

Graffitibuchstabe Schritt für Schritt
Abbildung 3

Wenn du also deinen Ausgangsbuchstaben hast und weißt aus welchen Balken er sich zusammensetzt, kannst du anfangen diese Balken kreativ zu verändern.
Dabei ist es aber sehr wichtig, dass stets das Grundgerüst des Buchstabens intakt bleibt. Du kannst einzelne Balken verlängern oder verkürzen, sie z.B. an einem Ende dicker werden lassen und sie außerdem noch krümmen oder knicken wie in Figur 3 zu sehen. Am Ende kannst du noch Balken hinzufügen wie ich es weiter oben in Abbildung 2 Figur 3 getan habe. Solche Balken könnte man als Dekorationsbalken bezeichnen, da sie nur der Verschnörkelung dienen und nicht zum Hauptgerüst des Buchstabens gehören.

Auch bei Figur 4 aus der Abbildung 2 sieht man deutlich, dass ich etliche Dekorationsbalken hinzugefügt habe, aber das Grundgerüst nach wie vor intakt ist. Die einzelnen Balken haben sehr dynamische Schwünge bekommen, wie es in der Kalligraphie üblich ist. Beim Graffiti kommt es allerdings nicht auf die Lesbarkeit an, sondern nur auf die Ästhetik des Styles.

Übertreibe es nicht gleich

Für den Anfang solltest du deine Buchstaben allerdings noch eher simpel halten. Ein verbreiteter Anfängerfehler ist es, gleich einen sogenannten Wildstyle, also sehr stark verfremdete Buchstaben zu versuchen. Wenn das Gefühl und Verständnis für das Grundgerüst der Buchstaben noch nicht ausreichend geübt wurde, wird ein zu stark verschnörkelter Buchstabe schnell misslingen. Taste dich also vorsichtig an einen aufwendigeren Style heran. Es gibt viele Beispiele für geniale Graffiti mit sehr simplen Styles.

Eine weitere Möglichkeit ist es die Hauptbalken des Buchstabens zu zerbrechen und in mehrere Stücke zu teilen wie in Abbildung 4 demonstriert.

Abbildung 4
Abbildung 4

Auch die Enden der Balken kann man auf verschiedene Weise verzieren. Abbildung 5 zeigt einige Beispiele.

Abbildung 5
Abbildung 5

Ein anderer typischer Stil im Graffiti ist der Bubble-Style. Hierfür macht man aus den Balken runde Würste, fast so als hätte man den Buchstaben aus einem langen Ballon geknotet.

Beispiel Bubble Style
Abbildung 6

Wenn du nun ein ganzes Wort schreiben möchtest, ist es wichtig darauf zu achten, dass jeder einzelne Buchstabe deines Graffiti für sich alleine gut aussieht. Eine super Technik zum üben ist es, jeden Buchstaben deines Wortes auf einem separaten Blatt unabhängig von den anderen zu entwerfen und am Ende alle Buchstaben auf einem neuen Blatt zusammenzufügen indem du sie erneut abzeichnest. Hierbei kannst du sie dann noch leicht verändern, damit sie besser aneinander passen. Für den Anfang solltest du darauf achten, dass der Stil aller Buchstaben der gleiche ist, um das Gesamtbild harmonisch wirken zu lassen.

Die Vollendung

Hast du deinen Buchstaben soweit fertig, dann kannst du darüber nachdenken, ihm Tiefe zu verleihen. Dies erreichst du klassischerweise mit einer der drei folgenden Methoden. Dem Schatten, dem parallelen Block oder dem Block mit Fluchtpunkt.

Abbildung 7
Abbildung 7

Am Ende deiner Zeichnung ziehst du die Konturen der Buchstaben, die man im Graffiti Outlines nennt, noch einmal deutlich nach und radierst anschließend vorsichtig alle überflüssigen Bleistiftstriche weg.

Graffiti buchstaben zeichnen
Abbildung 8

Da es in diesem Artikel hauptsächlich um die Form der Buchstaben gehen soll, gebe ich an dieser Stelle nur ein simples Beispiel zur Farbgebung. Die Farbgebung im Innern der Konturen des Buchstaben nennt man Fill-In. Die Basiselemente des Fill-In sind Farbverläufe und verschiedene Farbflächen. Hier kann man seiner Fantasie ziemlich freien Lauf lassen. Achte aber immer auf eine gewisse Stimmigkeit der Farben.

Beispiel Graffiti CanTwo
Abbildung 9

Da Beispiel in Abbildung 9 zeigt ein Piece des weltbekannten deutschen Künstlers CanTwo.

Auf den detaillierten Aufbau eines klassischen Graffiti-Styles gehe ich in einem weiteren Artikel ein.
Wenn du jetzt gleich richtig sprühen willst, dann kann ich dir diese Sprühdosen für Graffiti empfehlen, mit denen ich selber sehr gerne Male.

Wir geben übrigens auch Graffiti-Workshops für Jugendliche und Erwachsene. Anfragen kannst du über die Kontaktadressen stellen.

Wenn Du dich tiefer mit dem Thema auseinandersetzen möchtest, dann habe ich hier noch ein paar Buchtipps für dich:

 

 

 

 


 

Graffiti Style 1

Graffiti lernen für Anfanger 3: Der Ehrenkodex

Unter Writern und Malern, ob legal oder illegal, gibt es einen Ehrenkodex, an den es sich zu halten gilt, wenn man respektiert werden will und sich nicht in Schwierigkeiten bringen möchte.

Die einzige Regel unter Graffiti-Malern lautet:

-Crosse (übermale) niemals ein Bild, das besser ist, als dein eigenes.

Das gilt ganz besonders für Anfänger. Gerade als Anfänger sollte man den erfahreneren Malern Respekt entgegen bringen und das tut man nicht, indem man ihre Bilder mit ein paar Probestrichen crosst.
Leider halten sich bei weitem nicht alle Maler daran, aber DU solltest dich daran halten, denn wenn du es nicht tust, dann komme ich nachts aus deiner Dose gekrochen und tatoowiere dir im Schlaf ein fettes „TOY“ auf die Stirn.
Aber Spaß bei Seite, ich lege dir ernsthaft ans Herz dich an den Ehrenkodex der Writer zu halten, denn was du nicht willst, das man dir tu…. Jeder ärgert sich wenn sein Bild gecrosst wurde, aber besonders schlimm ist es, wenn es mit einem schlechteren Bild gecrosst wurde. Du willst dir doch nicht gleich am Anfang deiner Sprüherkarriere Ärger einhandeln oder?

Also mein Tipp für jeden Anfänger, such dir immer ein schlechtes Bild, um drüber zu malen. Wenn an deiner lokalen Hall kein schlechtes Bild ist, dann such zumindest das am wenigsten gute oder das älteste Bild zum drüber malen aus. Es sei denn das älteste ist von irgendeinem Großmeister, einer lokalen oder sogar nationalen Legende und wird daher seit Jahren unangetastet gelassen, dann mal da bloß nicht drüber.
Wenn du keinen geeigneten Platz an der Wand findest, um deine ersten Sprühversuche durchzuführen, dann male lieber auf ein Brett oder so.  Übe erstmal ein bisschen woanders, bevor du ein fremdes Bild crosst.

Graffitiworkshop kinder üben

Graffiti lernen für Anfänger 2: Erste Schritte und Sprühtecknik

Heute lernst du sprühen. Im vorigen Artikel habe ich dir bereits die wichtigsten theoretischen Grundkenntnisse erklärt, in diesem Teil soll es nun aber um die Praxis gehen.

Übrigens: Die Sprayer oder Writer bezeichnen ein einzelnes Bild üblicherweise als Graffiti auch wenn es laut Wörterbuch und grammatikalisch korrekt eigentlich Graffito lauten müsste. Und zumindest in meinem Umfeld bezeichnen sich die Sprayer nie selbst als Sprayer sondern eher als Maler oder auch Writer. Den Begriff Sprayer benutzen meist nur Leute von außerhalb der Szene.

 

Eine Wand finden

Zum Sprühen fehlt dir jetzt noch eine Fläche, auf der du dich austoben kannst. Entweder du kaufst dir eine Leinwand oder du nimmst eine grundierte Holzplatte. Für deine ersten Sprühversuche reicht ein beliebiges Brett, das du mit normaler Wandfarbe grundierst. Wenn du aber auf einer richtigen Wand sprühen möchtest, solltest du, um keine Straftat zu begehen, eine Wand finden, an der das Sprühen offiziell erlaubt ist. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Hier ist eine relativ umfangreiche Karte mit legalen Wänden.
www.legal-walls.net
Falls du dort und in Google nicht fündig wirst und du keinen Graffiti-Store in deiner Nähe hast, in dem du fragen kannst, dann ist eine Anlaufstelle, um nach legalen Graffiti-Wänden zu fragen die örtliche Polizei. Keine Angst, du fragst ja gerade weil du dich NICHT strafbar machen möchtest, man wird dich also nicht gleich in Handschellen abführen. Im Gegenteil, sie freuen sich, dass u es richtig machen willst.
Manchmal noch besser als die Polizei kennen sich auf diesem Gebiet die Erzieher in den Jugendzentren aus, also gehe einfach mal in das nächste Jugendzentrum und frage dort die Betreuer nach legalen Wänden. Viele Jugendzentren haben sogar eigene Wände, die für Graffiti freigegeben sind.
Wenn du über keine dieser Möglichkeiten eine Wand ausmachen kannst, dann bleibt dir nur die Option direkt zu den Eigentümern von Wänden zu gehen und sie um Erlaubnis zu fragen. Dies ist allerdings für einen Anfänger, der keinerlei Können vorzuweisen hat etwas unrealistisch. Falls du doch Glück hast, dann lass dir eine Erlaubnis aber immer schriftlich und unterschrieben geben, für den Fall, das doch mal die Polizei anrückt in dem Glauben du seist ein illegaler Schmierfink.

 

Geschüttelt, nicht gerührt.

Du hast eine Wand, deine Dosen und Caps und willst sprühen. Jetzt musst du als erstes gut schütteln. Nicht nur ein zwei Mal klacka klacka, Nein: Neue Dosen musst du wirklich gut schütteln. Je nachdem wie lange die Dosen gelagert wurden haben sich die einzelnen Komponenten des Farblösungsmittelgemisches mehr oder weniger voneinander getrennt. Wenn du nicht ausreichend schüttelst kann die Dose verstopfen und unbrauchbar werden, dies ist aber auch von Marke zu Marke unterschiedlich. Manchmal waren die Dosen so lange eingelagert, dass die Kugeln, die sich im Innern befinden um die Farbe beim schütteln zu mischen, am Boden festkleben. Solange du nicht ZWEI Kugeln Klackern hörst, hast du noch nicht genug geschüttelt. Nachdem du also mindestens 15 Sekunden mit dem Geräusch zweier Kugeln geschüttelt hast, ist es das Beste einmal mit einem Standard Cap oder Fat Cap die erste Farbe aus der Dose zu sprühen, da diese Caps weniger leicht verstopfen. Dafür richtest du die Dose einfach von dir weg ohne dabei irgendwo gegen zu sprühen.
Am Anfang kann es vorkommen, dass statt flüssiger Farbe erstmal eine dickere Paste aus der Dose kommt, welche das Cap oder sogar die Dose selbst verstopfen kann. Wenn diese Paste herauskommt und eine Art Schaum bildet, dann hast du nicht genug geschüttelt. Schüttel noch ein bisschen mehr und sprühe dann solange mit einem Standard-Cap in die Luft, bis kein Schaum mehr herauskommt, sondern ein sauberer Farbstrahl. Wenn du einen ersten Teststrich auf ein Stück Karton oder die Wand machst und die Farbe Bläschen bildet, als hätte man eine Brausetablette darin aufgelöst, dann hast du nicht genug geschüttelt.

Wenn dir doch mal eine Dose verstopft, dann ließ diesen Artikel!
Trick: Verstopfte Sprühdose? Das hilft!

 

Der erste Strich

Keine Angst, er beißt nicht. Sprüh einfach mal drauflos. Aber um schon beim ersten Strich eine positive Erfahrung zu haben solltest du deine Hand beim sprühen stets in Bewegung halten. Sobald du länger als einen Augenblick unbewegt auf die gleiche Stelle sprühst wird die Farbe an der Wand herunterlaufen, das nennt man drip, darum ist es am besten erst auf das Cap zu drücken, wenn deine Hand sich bewegt. Dies hängt allerdings auch von dem Abstand zwischen Wand und Cap ab. Für den Anfang solltest du einen Abstand von etwa 20 cm zwischen Wand und Cap einhalten, dabei kann wenig schiefgehen. Um exakte Linien zu sprühen halte das Cap möglichst dicht an die Wand, so dass die Dose etwa 30-45° zur Wand steht und der Rand der Sprühdose beinahe an der Wand entlang kratzt. Für feine Linien nimmst du natürlich ein Skinny Cap. Probiere einfach mal aus wie es ist ganz nah an der Wand zu sprühen und wenn du die Dose weiter weg hältst. Du kannst dich jetzt auch mal durch deine verschiedenen Caps durchprobieren, um die Unterschiede kennen zu lernen.

 

Flächen effektiv füllen

Um größere Flächen schnell zu füllen ist ein Standard oder Fat Cap das beste. Wegen des starken Sprühnebels bei diesen Caps ist es aber sinnvoll eine Fläche nicht ganz bis zum Rand mit dem Fat Cap auszumalen, weil sonst die benachbarte Fläche den Nebel der anderen Farbe abkriegt und erneut überarbeitet werden muss. Male also die Ränder einer jeden Fläche mit einem Skinny Cap aus. Ich ziehe immer eine doppelte Linie mit dem Skinny Cap und male dann die Mitte mit einem Standard oder Fat Cap aus. So bleiben die Ränder sauber und die Farbe verunreinigt nicht zu sehr die benachbarten Flächen. Man spart sich doppelte Arbeit.

 

Die Grundtechniken

An dieser Stelle geht es erst einmal nur um die klassische Technik des Sprühens, das Sprühen aus freier Hand, ohne Hilfsmittel wie Schablonen oder ähnlichem. Beim Malen(Sprühen) von freier Hand gibt es grundlegend zwei wichtige Techniken: cutten (vom englischen to cut, schneiden) und faden (vom englischen to fade, ausblenden, verblassen).

Beim Cutten übermalt man eine Linie mit einer zweiten, um so die erste zu verdünnen. Außerdem kann man so der runden Linie gerade ecken geben. Ein Strich aus der Sprühdose hat immer ein rundes Profil, um also saubere Ecken zu erzeugen muss man Teile des runden Profils mit einer anderen Farbe übermalen (abscheiden/cutten). Man braucht also immer eine Hintergrundfarbe um sauber malen zu können, da man diese nutzt um Fehler auszubessern.
EckenCuttenSprührichtung

 

Beim cutten kann die Richtung, in die man das Cap richtet, eine wichtige Rolle spielen, weil man durch die Richtung beeinflusst auf welcher Seite des Striches die harte und auf welcher Seite die weiche Kante ist.

 

Faden ist das Ausblenden einer Farbe, oder das Erzeugen eines weichen Farbverlaufes von einer Farbe zur nächsten. Diesen Effekt erzielt man, indem man die Dose weiter von der Wand weg hält, so dass kein gebündelter Farbstrahl mehr auf der Oberfläche ankommt. Je deckender die Farbe sein soll, desto näher hält man die Dose zur Wand.
fadenBeim ausfaden bewegt man die Dose von deckend zu nicht deckend, also von der Wand weg. Dabei richtet man das Cap von der deckenden Fläche in die Richtung, in der die Farbe verblassen soll.

Richtig interessant wird es, wenn man beide Techniken miteinander kombiniert. So kann man einen weichen Verlauf seitlich sauber abschneiden oder eine saubere Linie leicht ausblenden.

 

Ein Bild umsetzen

Wenn du nicht nur ein bisschen probekritzeln möchtest, dann hast du dir idealerweise eine Skizze mitgebracht, die du auf die Wand übertragen möchtest. An dieser Stelle setze ich voraus, dass du bereits einigermaßen zeichnen kannst. Wenn du klassisches Graffiti-Writing, also Buchstaben-Graffiti lernen möchtest, dann findest hier einen Artikel darüber.
Um ein Bild oder eine Skizze vom Papier auf die Wand zu übertragen ist es sinnvoll zuerst mit einer hellen Farbe, die leicht zu überdecken ist, die Proportionen vorzuzeichnen. Hierzu nimmst du am besten ein Skinny Cap. Wenn du an diesen ersten Strichen starke Korrekturen vornehmen willst, dann mach das am besten mit einer anderen Farbe, damit du später noch weißt, welcher der korrekte Strich ist und nicht durcheinanderkommst.

Das übliche Vorgehen bei einem Graffiti, genau wie bei fast jeder Malerei ist: Proportionen vorzeichnen, Flächen ausfüllen, Details bearbeiten.

Um ein besonders sauberes Bild hinzubekommen ist es allgemein von Vorteil, wenigstens bei dem Füllen größerer Flächen, sich von Oben nach Unten durchzuarbeiten, da so die Farbspritzer, die von oben herunterfallen nicht in einen schon ausgearbeiteten Bereich des Bildes darunter fallen, der dann erneut überarbeitet werden müsste.

Beim klassischen Style-Writing füllt man erst alle Flächen aus und zieht fast zum Schluss die Konturen, die sogenannten Outlines, des Bildes. Wenn man die Outlines zieht, bevor man alle Flächen gefüllt hat, kann es leicht passieren, dass man die Outline wieder übermalt und somit nacharbeiten muss.

Jetzt kennst du die grundlegenden Techniken in der Theorie, geh raus und übe, aber bitte LEGAL!
Wenn du noch die richtigen Materialien suchst, findest du sie zum Beispiel hier. Was du im Detail brauchst habe ich bereits im Artikel „Grundlagen“ beschrieben.

Wir geben übrigens auch Graffiti-Workshops für Jugendliche und Erwachsene. Anfragen kannst du über die Kontaktadressen stellen.

Geeigntete Literatur zum Thema gibts hier:

Graffiti Mops_vorzeichnen

Graffiti lernen für Anfänger 1: Die Grundlagen

Wenn du dich für Graffiti interessierst und den richtigen Umgang mit der Sprühdose lernen möchtest, dann bist du hier richtig. Zuerst gebe ich dir eine kurze Einleitung mit einigen wichtigen Erläuterungen und im nächsten Artikel erkläre ich dir die praktischen Schritte damit du gleich erfolgreich loslegen kannst.

Als ich das erste mal Sprühdosen gekauft habe fragte ich im Laden nach Ventilen, was meinem erfahreneren Graffiti-Kumpel ziemlich peinlich war. Damit dir so etwas nicht passiert habe ich hier die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

Wer Graffiti lernen möchte sollte sich als allererstes mit den Grundlagen beschäftigen. Welche Materialien werden benötigt, wo bekomme ich diese, was muss ich beachten, wo kann ich legal üben.
Aber  was ist überhaupt Graffiti?
Graffiti ist nicht gleich Graffiti, schon hier gibt es verschiedene Interpretationsweisen. Graffiti im klassischen Sinne seiner heutigen Form, genauer Graffiti-Writing sind hauptsächlich Buchstaben und Worte genannt Styles, oft in abstrakter Form, welche mit Lacken aus der Sprühdose meist auf Wände oder Züge gemalt werden. Wer diese Form des Graffiti betreibt, den nennt man Writer (Schreiber) oder Sprayer (Sprüher). Hierzu sei gesagt, dass das unerlaubte Besprühen oder Bemalen von fremdem bzw. öffentlichem Eigentum eine Straftat darstellt, die im schwersten Fall sogar mit Freiheitsstrafen geahndet werden kann. Obwohl das Graffiti-Writing seinen Ursprung in der Illegalität hat, fand es durch den Anspruch nach Ästhetik und Perfektion auch den Weg in die Legalität und mittlerweile sogar in die Galerien.  Diese Form des Graffiti, das sprühen mehrfarbiger Buchstaben mit einem gewissen ästhetischen Anspruch, entwickelte sich Ende der 1970er Anfang der 1980er Jahre in der Bronx, USA. Das sogenannte Tagging, also das Schreiben eines Namens oder Pseudonyms an öffentliche Plätze ist allerdings schon wesentlich älter.

Graffiti im weitläufigen Sinne des Wortes bezeichnet hingegen jede Art von privater Wandschreiberei, also jegliche Form von privat motivierten Schriften an Wänden oder ähnlichem. Hierbei spielt es keine Rolle, ob es mit Sprühdose, Pinsel, Meißel oder der bloßen Hand angebracht wurde. Die ersten Werke, welche dieser Definition des Wortes Graffiti oder Singular Graffito zuzuordnen sind, sind ebenso alt wie die Schrift selbst.

Wenn ich hier allerdings über Graffiti schreibe, dann meine ich eigentlich eine Mischung von zwei Begriffen. Jegliche Kunst, die mit der Sprühdose umgesetzt wird plus das künstlerisch motivierte Graffiti-Style-Writing, ob mit Sprühdose auf Wand oder mit Markern und Pinseln auf Leinwand spielt dabei keine Rolle. In allererster Linie geht es hier jedoch um die Maltechnik mit der Sprühdose.

Um Interessierten den Einstieg ins Graffiti zu erleichtern habe ich hier die wichtigsten Tipps und Erklärungen zusammengestellt.

Das richtige Handwerkszeug:

Die Sprühdose

Sprühdosen
Sprühdosen

Im Jargon auch Dose oder englisch Can, daraus im deutschen abgeleitet auch Kanne genannt.
Die richtigen Sprühdosen zum Graffiti malen kauft man schon lange NICHT mehr im Baumarkt, diese Dosen sind einerseits teurer und haben andererseits nicht die optimalen Eigenschaften zum künstlerischen sprühen.
Die richtigen Dosen werden heutzutage eigens für den künstlerischen Bedarf hergestellt und wurden teilweise mit erfahrenen Graffitikünstlern zusammen entwickelt.
Je nachdem, ob man großformatig oder klein und detailreich malen möchte gibt es Dosen mit unterschiedlich hohem Innendruck und in diversen Farbtönen.
Die beliebtesten Dosen sind hier Montana Black /Gold, Belton Molotow Premium, mtn 94, Loop, Kobra oder Ironlak. Wenn es in deiner Nähe keinen Graffiti-Store gibt, dann kannst du dir auch alles was du brauchst bequem online bestellen. Ich kann dir die Onlineshops Inflammable, Overkill oder Graffitilager empfehlen. Falls du in Hamburg bist kann ich dir sehr den Graffiti-Laden „under pressure“ in der Schanzenstraße 10 ans Herz legen, dort kaufe ich bereits seit über 15 Jahren ein.

Persönlich male ich am liebsten mit den Dosen der deutschen Marke Montana, meist Montana Black für Fassaden und Montana Gold für kleinere Bilder auf Leinwand. Aber auch die Molotow Premium ist eine sehr beliebte Dose, die ich auch oft verwende und für Einsteiger bestens empfehlen kann.

Nun mag der Anfänger glauben man kaufe sich einfach eine Sprühdose und geht damit malen. So ist es aber üblicherweise nicht. Was du noch brauchst sind…

Die Caps (gesprochen [Kepps], Sprühköpfe)

sprühköpfe
Sprühköpfe

Wenn man eine Dose kauft befindet sich auf dieser immer ein Standard-Cap, welches von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich und für das anspruchsvollere Sprühen nicht unbedingt sehr geeignet ist.
Caps gibt es viele verschiedene und sie werden auch irgendwie alle paar Jahre geändert. Eines bleibt aber wohl immer das gleiche, denn grundlegend gibt es außer den Standard-Caps noch Skinny Caps, für einen sehr feinen Strich, Fat Caps, für einen besonders breiten Strich, und Soft Caps, für eine weiche und gleichmäßige Verteilung der Farbe. Jeden dieser Cap-Typen gibt es von verschiedenen Herstellern und in verschiedenen Abstufungen. Darüber hinaus gibt es noch einige Sondermodelle wie z.B. Caligraphie-Caps, die mir persönlich aber nicht besonders viel taugen.

Bei meinen Bildern benutze ich z.B. die Standard-Caps der Montana Black Dosen zum ausfüllen größerer einfarbiger Flächen, weil diese einen recht breiten Strich haben. Der Vorteil ist, dass man von denen meist mehr als genug hat, weil man ja mit jeder Dose eines bekommt. Wenn es besonders große Flächen sind nehme ich auch richtige Fat Caps.
Zum feinen malen nehme ich verschiedene Skinny Caps, denn hier hat jedes seine Vor- und Nachteile. Die grünen Caps von Montana gibt es in vier Abstufungen wobei Level 1 (hellgrün)den feinsten Strich hat. Diese Caps haben einen dünnen Strich allerdings bei nicht ganz so niedrigem Druck wie andere Caps.  Sie lassen sich recht gut universell einsetzen, außerdem verstopfen sie nicht so schnell weshalb man sie gut von Dose zu Dose tauschen kann. Dadurch hat man einen geringeren Verbrauch und kommt also mit weniger Caps aus.
Die weißen Skinny Caps hingegen verstopfen teilweise sehr schnell, haben dafür aber einen geringeren Druck und eine viel weichere Zerstäubung des Striches. Daher sind sie gut geeignet für saubere aber sehr feine bzw. kleinflächige Fadings (Farbübergange) im Zentimeterbereich.
Hier sind die feinsten die Goldpunkt-, danach kommen die Graupunkt- und die gröbsten sind die Schwarzpunkt-Skinnies, welche immer noch gut für feine Linien sind. Hier gilt, je feiner desto schneller verstopfen sie und desto größer ist der Verbrauch an Caps. Ich packe pro Farbton immer mindestens ein Skinny Cap ein, lieber aber ein paar mehr.

Soviel zum grundlegenden Werkzeug eines Graffiti-Malers, darüber hinaus sollte man aber noch die richtige Arbeitskleidung anziehen. Gerade wer es zum ersten Mal ausprobiert sollte sich alte Klamotten oder einen Overall anziehen, weil man die Flecken vom Acryllack NICHT wieder rauswaschen kann. Idealerweise zieht man noch Gummi-, Latex- oder Arbeitshandschuhe an. Man kriegt Farbe auf der Haut zwar mit Nagellackentferner gut weg, aber gesünder ist es wenn der Lack gar nicht erst auf der Haut landet, besonders bei regelmäßigem Sprühen.

Atemschutz:
Spätestens wenn man in geschlossenen Räumen (auch bei guter Belüftung) sprüht, sollte man sich eine professionelle Atemschutzmaske zulegen, da die Lösungsmitteldämpfe und der Farbpartikelstaub eine sehr bedenkliche Mischung für unsere Gesundheit darstellen.
Wer es das erste Mal ausprobiert muss nicht gleich eine Gasmaske für 40€ kaufen. Ein oder zweimal kann man, sofern man es draußen macht, bedenkenlos ohne Atemschutz mit der Sprühdose arbeiten. Wer es aber öfter tut sollte mindestens einen simplen Mundschutz aus dem Baumarkt aufsetzen. Auch bei kleinen einmaligen arbeiten im Innenbereich mit guter Lüftung mag diese Form des Atemschutzes noch ausreichen, wer aber anfängt größere Flächen mit der Sprühdose auszufüllen sollte zwingend eine Atemschutzmaske mit Gas- UND Partikelfiltern tragen.
Wer ohne Atemschutz arbeitet geht ein erhebliches Gesundheitsrisiko ein.

Außerdem wäre wenigstens für den Innenbereich eine Schutzbrille zu empfehlen, da sich der umherfliegende Farbstaub in den Augen ablagert und zu Reizungen führt.

Ich benutze eine Halbmaske von 3M mit den dazugehörigen Gas- und Partikelfiltern und eine Schutzbrille, die extra auf solche Masken passt.

Wenn ich doch mal ohne Maske arbeite bekomme ich schnell eine Art Sodbrennen, außerdem nach einiger Zeit Kopfschmerzen.

Die Maske sollte man, nachdem das Kondenswasser im Innern getrocknet ist in einer Plastiktüte aufbewahren, damit die Gasfilter nicht vorschnell verbraucht werden.

Das war die theoretische Vorbereitung um ein echter Sprayer zu werden. Die ersten Praxisschritte erkläre ich im nächsten Teil von „Graffiti lernen“.

Wir geben übrigens auch Graffiti-Workshops für Jugendliche und Erwachsene. Anfragen kannst du über die Kontaktadressen stellen.

Hilfreiche Literatur zum Thema gibt es auch hier:

Hamburg_Graffiti_Harley_Davidson_work_in_progress

Graffiti und Harley Davidson

Zufällig und vollkommen unabhängig voneinander bekam ich innerhalb von zwei Tagen zwei Aufträge von Harley Davidson Fahrern aus der Umgebung von Hamburg. Der erste Kunde wollte eine Holzwand an seinem Gartenhaus gestalten lassen, hatte jedoch keine wirkliche Vorstellung von den Möglichkeiten, die unsere Technik mit der Sprühdose bietet, und daher nur grobe Ideen von möglichen Graffiti-Motiven. Ich schaute mich ein wenig bei ihm um und bekam so einen Eindruck seines Geschmacks und da ihm meine Vorschläge sofort gefielen machte ich einen Entwurf von einem Barbaren auf einem Motorrad, welcher mit einer Axt in den Kampf gegen einen Drachen zieht. Eigentlich ziemlich absurd aber doch auch ein total abgefahrenes Graffiti. Das Motorrad ist genau das des Kunden selbst.
Der zweite Kunde wollte seine gesamte Garage im Harley Davidson – Route 66 – Stil gestaltet haben. Auf einer Wand sein Motorrad, so wie er es sich umbauen lassen wird. Das war natürlich gar kein Problem für mich, denn für uns ist quasi alles spraybar. Also hat spraybar Hamburg innerhalb eines Monats zweimal eine Harley Davidson als Graffiti portraitiert und mal wieder gezeigt, was alles mit der Sprühdose möglich ist.